Es liegt eine äußerst stilvolle Note von Eskapismus in der Luft, wenn man sich in die 1920er Jahre zurückwohnen möchte. Auf Zeit natürlich, für einige freie Tage, um im trubeligen Großstadtalltag kurz Luft zu holen. Genau das machen die Landschaftsarchitektin Katrin Lesser und der Designer Ben Buschfeld möglich. In Berlin vermieten sie unter dem Namen „Tautes Heim“ ein Feriendomizil der Klassischen Moderne, das eben jene Epoche bis ins liebevolle Detail hinein nachstellt. Denn das Haus, in dem Lesser und Buschfeld ihr „mietbares Museum“ eingerichtet haben, gehört seit 2008 zum UNESCO-Welterbe „Siedlungen der Berliner Moderne“. Für ihr Engagement erhielten sie den Europäischen und den Berliner Denkmalpreis.
Zum Projekt ist jetzt das passende Buch erschienen. Es Buch bietet, wortwörtlich, einen Blick hinter die Tapeten. Welche Schichten liegen über der bauzeitlichen Wand? Was lässt sich wieder hervorholen, was lässt sich nachstellen? Die Leser:innen folgen dem Weg durch die Vorgeschichte von Haus und Siedlung, zu Leben und Werk des Werkbund Architekten Bruno Taut (1880–1938) (nach dem die Ferienwohnung benannt ist), aber ebenso durch viele kleine, vielsagende Geschichten zur Restaurierung und zu Ausstattungsstücken (von Schreibtischlampe bis Klopapier). Auch Eigenentwürfe ergänzten Lesser und Buschfeld – in Anlehnung an historische Fotografien. All dies funktioniert gut, als ein Stück naturnahes Leben in der Großstadt. Denn genau dafür wurden diese Wohnungen in den 1920er Jahren gestaltet, um mit klarer Gestaltung, viel Licht und Luft ein gutes Leben möglich zu machen. Und genau an diesem Punkt lässt sich aus einigen Tagen Zeitreise viel mitnehmen für das heutige Wohnen. (kb, 30.3.25)






Berlin, Tautes Heim (Bilder: Ben Buschfeld, www.tautes-heim.de)